vom Hotel zum Berghotel

schlussendlich zum Berghaus

von 1908 bis heute

Das Hotel Piz Platta wurde im Jahr 1908 von Gion Grisch erbaut. Gion Grisch war Bürger von Sur. Er wurde am 4. August 1838 geboren und wanderte als junger Bursche nach Frankreich aus, wo er erfolgreich als Architekt arbeitete. Er gründete dort auch eine Familie und war bekannt als sehr vitale Person mit grossen Ideen.

 

Zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts, bereits ein Mann im gesetzten Alter, kehrte Gion Grisch nach Sur zurück. Er baute mitten in Furnatsch, an der Julierstrasse, ein Haus mit Türmchen. Dieses Haus wurde vor kurzem sehr schön renoviert.

Im Winter wohnte Gion Grisch in Sur und im Sommer wirtete er auf der Alp Flix in seinem Hotel. Ursprünglich hatte er die Idee, zusammen mit dem Direktor des Hotels Palace in St. Moritz, Caspar Badrutt, ein Sportzentrum auf der Alp Flix einzurichten. Geplant war auch eine Seilbahn, die von der Ebene vor Mulegns, wo heute militärische Anlagen stehen, bis zur Alp Flix führen sollte. Aus verschiedenen Gründen hat aber die Zusammenarbeit mit dem Direktor des Hotels Palace nicht geklappt und Gion Grisch baute das Hotel Piz Platta alleine.

In Frankreich lernte Gion Grisch die französische Küche kennen und schätzen. Er begann auf der Alp Flix "französischen" Käse herzustellen. Dieser kleine Frischkäse war exquisit, aus Rahm und Kräutern hergestellt.  Die Käuferschaft seines Produktes bestand in erster Linie aus den Gästen des Palace Hotels in St. Moritz, denn der Käse galt als Spezialität für "bessere" Leute. Auch bei den Bauern war Gion Grisch gern gesehen, weil er zu jener Zeit einen guten Preis für Milch und Rahm bezahlte.

 

Als Gion Grisch am 14. April 1918 im Alter von 80 Jahren starb, übernahm seine Tochter Moscha (Ursula) Cabalzar-Grisch das Hotel, und führte es bis ca. 1925. Moscha wusste, dass ihre Tochter Angelina Poltera-Cabalzar, auf die sie sehr stolz war, das Hotel weiter führen würde. Sie tat dies dann auch bis ins Jahr 1935. Danach verkaufte sie das Hotel an das Ehepaar Hans und Katharina Andrist-Guler aus Klosters.

Am 14. April 1937 brannte das Hotel infolge eines Kaminbrandes bis auf die Grundmauern nieder. Hans Andrist (1897-1983) und Katharina Andrist-Guler (1902-1975) haben es als Holzfachwerkkonstruktion, die mit Steinen aus der Gegend ausgefacht wurde, wieder aufgebaut. Diese Tragkonstruktion ist bis heute erhalten geblieben.

Am 12. Dezember 1937 wurde das neue Berghaus, wie es noch heute in der Grundkonzeption besteht, eröffnet. Das Berghaus blieb bis zum 1. Dezember 1985 im Besitz der Familie Andrist. Das Untergeschoss wurde 1975 durch ein Massenlager für diverse Lageraktivitäten erweitert. Als Folge des Umbaus entstand auch eine grosse Terrasse, als Erweiterung der relativ kleinen Gaststube mit grossartigem Blick auf den Piz Platta und seine Bergwelt.

 

Von 1978 bis Ende 1985 wurde das Hotel durch die Familie Andrist an verschiedene Pächter verpachtet, die mit mehr oder weniger Erfolg den Betrieb führten. In dieser Zeit war das Hotel im Winter meistens geschlossen.

Am 1.Dezember 1985 erwarb der junge Hans-Peter Brunner das Hotel. Als guter und begeisterter Langläufer wollte er unter anderem ein Langlaufzentrum für Höhentrainings einrichten. Zu dieser Zeit hat beispielsweise der bekannte Langläufer Andi Grünenfelder hier oben für die Olympiade trainiert. Die Begeisterung für die Alp verflog beim jungen Brunner recht schnell und auch der erhoffte finanzielle Erfolg blieb leider aus. So wurde das Hotel nach nur vier Jahren wieder verkauft.

Am 1. November 1989 erwarben Rolf und Helga Poetsch das Hotel als Alterssitz. Mit viel Elan und Begeisterung haben sie den Hotelbetrieb modernisiert. Leider verstarb Rolf Poetsch, bevor er alle seine Pläne realisieren konnte. Seine Frau Helga versuchte tapfer, den Betrieb allein aufrechtzuerhalten, was ihr auch gut gelang. Mit der Zeit wurde es für sie aber zu viel. So entschloss sie sich, das Hotel am 1. März 2000 der neu gegründeten Flix AG zu verkaufen.

 

Durch Lorenzo R. Schmid und Christian Zimmermann wurde das Haus liebevoll renoviert. Die ursprüngliche Aussenfassade wurde beibehalten und das Haus innen komplett erneuert. Eine Erdsondenheizung realisiert, ein Seminarraum und sämtliche Zimmer äusserst charmant und wertig eingerichtet. Nach totaler Sanierung und Renovation wurde am 15. Juli 2000 das Restaurant wieder eröffnet und an Weihnachten des selben Jahres auch der Hotelbetrieb wieder aufgenommen. 2010 kamen neue Wirtsleute, Renske & Werner "vom Berg". Sie konnten Ende 2013 das Berghaus Piz Platta kaufen. Wer bei ihnen zu Gast war, erlebte noch echte, ungeschminkte Gastfreundschaft mit ausgezeichneter, origineller Küche und einem erlesenen Weinangebot.

 

Ab Juni 2020 werden Mary und Tobias das Berghaus Piz Platta pachten.

Nach einigen Stationen der grossen Gastronomie, Hotelfachschule und einem mehrjährigen Ausflug in der kulinarischen Produktentwicklung werden sie das Berghaus mit einem Rucksack voll Wissen und Kompetenz und mit der gewohnten Gastfreundschaft weiter führen.